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Freitag, 29. März 2013 06:00

Von: Daniel Monnin

Interview mit Julia Marty

Die Leistung von Burlington bestätigen

Die 25jährige Aargauerin Julia Marty führt die Schweizer Nati als neuer Captain an der WM in Ottawa. „Wir haben eine sehr gute Stimmung in unserem jungen Team, das wird mir die Aufgabe erleichtern,“ sagt sie. Ihr Ziel? „Wir wollen die Leistungen von Burlington bestätigen und die Position unter den besten Vier erhalten.“

Du bist der neue Captain der Nati, was bedeutet das für dich?

Das Amt als Captain ist nicht neu für mich, während meiner Studienzeit an der Northeastern University in den USA war ich für zwei Jahre auch Captain. Es ist eine Rolle mit grosser Verantwortung, die ich gerne mache. Wir haben ein super Team. Die Stimmung ist gut und dies erleichtert meine Arbeit als Captain sicherlich auch.

Dass ich nun Captain bin, ändert für mich nicht viel. Ich bin doch schon einige Jahre in der Nati und gehöre im Club sowie im Nationalteam zu den erfahreneren Spielerinnen. Mit dieser jahrelangen Erfahrung wuchs ich automatisch in die Rolle als Führungsspielerin hinein. Ob ich jetzt „einen Buchstaben“ habe oder nicht, spielt für mich keine grosse Rolle.

Was hat sich seit dem Bronzemedaillengewinn vor einem Jahr im Team, Staff und auch sonst geändert?

Personell hat sich seit letzter WM einiges geändert. Daniel Meier stiess als neuer Co-Headcoach zu uns. Das Team erhoffte sich von ihm neue Inputs auf und neben dem Eis. In den letzten Camps waren diese auch deutlich zu sehen. Im Staff kam ein neuer Physiotherapeut dazu und Goalie-Coach Dani Hüni ist wieder zurück im Team.

Bei den Spielerinnen stehen eine ganze Reihe von Spielerinnen, die die letzte WM noch bestritten haben, nicht mehr im Kader. Andrea Fischer, Angela Frautschi, Johanna Gautier, Kathrin Lehmann, Darcia Leimgruber, Martina Steck und seit letzten Sonntag auch Lara Stalder gaben aus verschiedenen Gründen den Rücktritt oder müssen verletzungsbedingt pausieren. Ich denke, dass wir diese Abgänge durch die jungen Spielerinnen kompensieren können. Wir wachsen immer mehr zu einem Team zusammen. Das Team ist extrem jung (Durchschnittsalter 22 Jahre). Doch auch die jungen Spielerinnen sind jetzt schon einige Jahre dabei und bereit, Verantwortung zu übernehmen.

Seit Beginn deiner Karriere ist deine Schwester praktisch immer an deiner Seite im gleichen Team, Ausnahme USA. Was bedeutet das für dich? Oder: wie war’s, ohne sie zu spielen?

Ich denke, es ist ein Vorteil, dass Stefanie und ich praktisch immer im gleichen Team spielten. Wir sind beide sehr ehrgeizig und früher wollten wir immer noch besser sein als alle anderen. So haben wir gelernt, diszipliniert zu sein und an unsere Grenzen zu gehen. Dies ist sicherlich auch ein Grund, warum wir es soweit geschafft haben.

Heute sehe ich den grössten Vorteil darin, dass wir in Vielem die gleiche Einstellung und Meinung haben, und wir wissen, wie die andere denkt. Treten im Team Probleme auf, unterstützen wir uns gegenseitig und diskutieren miteinander darüber. Zudem können wir uns direkt sagen, wenn etwas nicht stimmt, und wir wissen, dass es für die andere kein Problem ist. Bei anderen Mitspielerinnen, muss man sich die Wortwahl manchmal etwas genauer überlegen. Auf dem Eis spiele ich gerne mit Stefanie zusammen, weil ich ihr Spielverhalten ziemlich gut kenne.

Ohne Stefanie zu spielen, war eigentlich kein Problem. Manchmal hätte ich mir aber schon gewünscht, sie auch im Team zu haben. Denn mit ihr habe ich jemanden, der gleich denkt wie ich und mich in schwierigen Situationen (gerade als Führungsspielerin) unterstützt. Wir haben oft miteinander telefoniert und über das Hockey gesprochen. So bekam ich manchmal den Eindruck, dass ich ihr Team fast so gut kenne wie meines.

Was machst du neben dem Eishockey heute beruflich? Was sind Deine weiteren Berufsziele?

In den USA habe ich den Bachelor im Studienfach Behavioral Neuroscience abgeschlossen. Es ist eine Mischung von Chemie, Biologie und Psychologie und in den USA ein Pre-Medicine-Studiengang als Vorbereitung auf die Medizinschule.

Im Moment mache ich den Master in Sportphysiologie an der ETH Zürich. Ich hoffe, dass ich Ende August den Abschluss habe. Zusätzlich mache ich das Lehrdiplom für Sport, das ich frühestens in einem Jahr abschliessen werde.

Was ich nachher machen möchte, weiss ich ehrlich gesagt, noch nicht so genau. Ich möchte aber, dass der Sport auch in meinem Berufsleben eine Rolle spielt.

Was bedeutet Eishockey für dich? Kannst du dir vorstellen, später als Trainerin tätig zu sein?

Eishockey hat einen sehr grossen Stellenwert in meinem Leben. Dank dem Hockey kam ich weit in der Welt herum und konnte Erfahrungen sammeln, die mir auch sonst im Leben helfen. Vor allem die vier Jahre in den USA waren sehr lehrreich. Ich lernte eine andere Mentalität kennen und mich in einer neuen Umgebung durchzusetzen.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, später als Trainerin tätig zu sein. Im Moment bin ich aber lieber noch Spielerin, da bleibt keine Zeit, um auch noch Trainerin zu sein. Was nach meiner Aktivkarriere ist, steht noch in den Sternen.

Was sind deine / eure Ziele für Ottawa?

Da wir in den Top 4 und somit in der Gruppe A sind, haben wir eine gute Ausgangslage. Das Ziel ist sicher, den Top 4-Platz im World Ranking zu bestätigen. Wir müssen also den Viertelfinal gegen den Gruppe B-Gegner gewinnen. Was danach kommt, ist Zugabe. Unsere Aufgabe ist aber meiner Meinung nach gleich schwierig, wenn nicht schwieriger als in den letzten Jahren. Jetzt sind wir in der Favoritenrolle und der Druck ist höher.

(Interview: dm)