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Samstag, 13. April 2019 23:25

 

Finnland schlägt Kanada

Die Geschichtsschreibung zieht sich unbeirrt weiter in Espoo. Finnland schlägt Kanada zum ersten Mal in einem Halbfinal und steht zum ersten Mal in der Geschichte im Goldmedaillenspiel. Believe it or not!

Es war zwar nicht der Freitag der 13. April, aber es war ein 13.4. und Kanada erlebte den sich abzeichnenden Doomsday ihrer Frauenhockeygeschichte. Nicht nur dass sie den Ausfall ihrer besten Spielerin Marie-Philip Poulin zu verkraften hatten. Auch Blayre Turnbull, ein Aktivposten während der ganzen WM, wurde von Ronja Savolainen von hinten in die Bande gecheckt und konnte nicht mehr weiterspielen. Ein Pfiff blieb aus obwohl die Schiedsrichterin nur 2 Meter daneben stand. Unverständlich. 
Und Kanada konnte eine fast zweiminütige doppelte Unterzahl nicht nutzen, spielten sich hoch am Bullykreis unverständlicherweise ohne Vorhandpositionen was dem Powerplay den Druck nahm und die Finninnnen ohne Schaden liess.

Das waren die beiden Schlüsselmomente aus welchen Finnland statt mit Handicap mit viel Selbstvertrauen hervorkommen liess. Und so nahm die Geschichte ihren Lauf. 2 Strafen gegen Kanada später lag das Heimteam plötzlich 2:1 vorne und spielte sich in eine Euphorie. Auch das postwendende 2:2 wussten sie noch vor der Pause zu beantworten. Bezeichnenderweise war es wieder ein Distanzschuss der durch den Verkehr vor dem Tor die entscheidende Richtungsänderung erfuhr. Ein Play von dem auch die Schweizerinnen ein Lied singen können.
Kanadas Bemühungen blieben fruchtlos und wenn dann mal eine strittige Szene stattfand wurden beide Tore annulliert. Einmal konnte nicht eindeutig festgestellt werden ob die Scheibe im Tor war und der Pfiff nicht schon erfolgte, das andere Mal wurde moniert, dass Rätys Schoner über die Linie gedrückt wurde.

Unter dem frenetischen Jubel und Gesang der Fans wuchs Finnland immer mehr über sich hinaus während Kanada die Ideen ausgingen. Von der blauen Linie kam nie wirklich Druck und die Plays auf der Grundlinie lasen die Finninnen schon weit voraus.

So kam es in den letzten Momenten des Spiels zu einer absoluten Rarität, nämlich dass Kanada den Goalie ziehen musste gegen ein europäisches Team. Und schliesslich war es wieder Savolainen, welche sich durchsetzen konnte und im Fallen den Puck noch ins leere Tor schob. Suomi stand Kopf und steht zum ersten Mal in der Geschichte im Final.

Dies ist ein Novum überhaupt an Weltmeisterschaften da dies noch nie einem Team ausserhalb Nordamerikas in den 29 Jahren gelang. Der einzige Upset in der Richtung ist 13 Jahre her und gelang Schweden an den olympischen Spielen in Turin im Penaltyschiessen gegen die USA. Ironischerweise ist die damalige Siegtorschützin mit Schweden in Espoo abgestiegen. Während sich die Finninnen in den Armen lagen.

Und in Kanada geht das grosse Wundenlecken los. Und zum ersten Mal überhaupt in der Geschichte des Fraueneishockeys steht ihr Team NICHT im Endspiel. Man stelle sich das vor.
Und Russland kommt sich wohl wie im falschen Film vor, erfuhren sie doch bei ihrem eigenen Warm-up dass sie im Falle einer Niederlage gegen die amtierenden Weltmeisterinnen nur 17 Stunden später gegen Kanada gegen die goldene Ananas spielen müssten. So kam es denn auch, verloren sie doch klar mit 0:8.

Anders als bei Schweden ist hier nicht Ursachenforschung angebracht. Denn diese liegen seit den Tränen von Sotschi auf der Hand. Finnland begab sich bereits im Februar 2014 auf eine Mission, welche sie zielgerichtet auf die olympischen Spiele 2018 und ihre Heim-WM 2019 auf Erfolg abrichtete. Nicht nur die Leadspielerinnen, nein auch die vielen jungen Talente trimmten sich konsequent auf die Spitze zu. Nun ist ihr Plan aufgegangen, auch wenn die vierte Linie (wohl) keinen Einsatz hatte. Pasi Mustonen hat an der WM im eigenen Land geliefert, was erwartet werden durfte. Nämlich die Reise bis ins Endspiel. 

Der 13. April 2019 geht in die Geschichte ein. Und das ist richtig gut so. Believe it or not.