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Stimmung in Incheon

Sonntag, 04. Februar 2018 17:00

 

Haue von Kanada

Die Schweizerinnen bekamen von Turniermitfavorit Kanada im sonntäglichen Freundschaftsspiel gleich ein Stängeli ins Nest gelegt. Indes schlimm ist das nicht, einfach in der Tordifferenz zu hoch. Die Schweizerinnen revanchierten sich im vorab vereinbarten Penaltyschiessen am Ende mit einem 4:2-Siege in 5 Versuchen! Und das gegen immerhin die kanadische Nr. 1, Shannon Szabados.

Es ehrt die Schweiz, gegen Kanada eines der spärlich gesäten Freundschaftsspiele ergattert zu haben. Und die Gäste liessen sich nicht lumpen! Gleich zu Beginn verkürzte Kanadas Headcoach Laura Schuler die Bank und brachte nach zwei Einsätzen bereits wieder die erste (Parade-)Linie mit Meghan Agosta, Marie-Philipp Poulin und Melodie Daoust. Und Poulin lieferte eine Anspielvariante und vollstreckte die Hereingabe solo vor Florence Schelling. Mit dem ersehnten frühen Tor aber war es um die Produktion auch schon wieder geschehen und je länger das Drittel dauerte, je mehr kamen auch die Schweizerinnen ins Spiel. Im Powerplay eröffnete sich gar die Chance zum Ausgleich. Meiers Schuss zischte aber knapp am Pfosten vorbei. Klar, bis zu diesem Zeitpunkt hatten auch die Kanadierinnen diverse Chancen, scheiterten aber an Schelling oder dem eigenen Unvermögen. Wenn dieses Wort überhaupt erlaubt sei bei Kanadas Medaillenhoffnung.

Im zweiten Drittel kam es dann wie es kommen musste. Die Schweiz war videoanalysiert und der Favorit im Stolz gekratzt. Die Antwort waren 5 Tore im Mittelabschnitt. Und die Nordamerikanerinnen zeigten dabei Biss und Geduld. Sie spulten ihr Feuerwerk an Speed und Technik aber auch Körpereinsatz und Torriecher ab bis die Toren fielen. Nur schon der erste Einsatz des Drittels endete für zwei Schweizer Flügelstürmerinnen erst nach 3 (!) Minuten…
Wiederum Pech hatten aber auch die Eisgenossinnen. Lara Stalders Schuss zur Spielmitte traf nur den Pfosten, Szabados wäre geschlagen gewesen.

Im letzten Drittel brachte Schuler dann auch die 4. Linie etwas mehr als in den beiden druckvollen Dritteln davor – die Hauptprobe für die Gruppenspiele gegen Finnland und die olympischen Athleten aus Russland war klar erkennbar – wurde aber lange nicht belohnt. Im Gegenteil. Sarah Forster checkte vor und Szabados spielte einen gar lässigen Pass hinter dem Tor welcher die Jurassierin abfing. Das leere Tor war nur ein «Buäbätrickli» weg, da versagten der Romande die Nerven. Und nur wenig später konterten Stalder und Müller gar im Boxplay gegen die Nonchalanz der Kanadierinnen. Müllers Abschluss ging aber über die Latte. Und so erging es auch den Schweizerinnen wie Vielen welche die Tore nicht machen. Sie kriegen sie. Und die Gegnerinnen kannten kein Erbarmen, besannen sich wieder den Tugenden und arbeiteten die Scheibe regelrecht ins Tor. Und als man dachte, die 9 bleibe bestehen fing Clark eine Scheibe gerade noch ab, passte zu Lacquette an der blauen Linie – 10:0, nur 1 Sekunde vor Schluss der Partie.

Vorab war ein Penaltyschiessen am Ende der Partie abgemacht. Dieses wurde dann aber zum Schaulaufen der Schweizerinnen! Die ersten vier Versuche trafen allesamt und Szabados musste sich beim fünften Versuch enorm lang machen und holte sich dabei wohl gar eine Zerrung. Gute Besserung!
Flo Schelling liess nur zwei Gegentore zu und holte sich mit ihren Vorderfrauen einen Teilsieg.
Den wir an dieser Stelle gerne Steffi Wetli widmen, welche heute im fernen Asien ihren 18. Geburtstag feierte. Happy Birthday und alles Gute Steffi!

Die Niederlage als solches geht in Ordnung. Kanada war der gewünschte, harte Startgegner, welcher den Schweizerinnen ihre defensiven Limiten aufzeigte, aber auch die Erkenntnis brachte, dass man sich nicht (mehr) verstecken muss. Immerhin 20 Schüsse brachten die Schweizerinnen aufs kanadische Tor. 4 Topchancen kreierten sie ebenfalls und konnten mit dem Powerplay Druck aufbauen. Kanada spielte mehrheitlich nur mit drei Linien, die Schweiz mit allen 4. Und kassierte dabei nur 4 kleine Strafen. Ein klares Indiz.
Übermorgen wartet Finnland auf und wird ein weiterer harter Gegner sein. Doch die Schweiz kann mit Zuversicht nach vorne schauen. Denn wenn der Jetlag mal verarbeitet ist (Kanada ist seit bereits fast 2 Wochen in Südkorea) wird die Mannschaft noch eine Schippe drauflegen.

Wir freuen uns!

 

In Incheon gewann Schweden den Test gegen Südkorea mit 3:1. Das Spiel selbst war eher Nebensache. Im eigentlichen ging es um die Inszenierung eines «geeinten» Korea. Unzählige Animateure brachten das Publikum zum skandieren des Slogans «We are one Korea» und zum schwenken von Vereinigungsflaggen.
Doch draussen vor dem Stadion lieferten sich Befürworter und Gegner lautstarke Wortgefechte so dass die angereiste Schweizer Scoutinggruppe nur mit Mühe überhaupt ins Stadion kam.

Schweiz - Kanada 0:10 (0:1, 0:5, 0:4)

Eissportzentrum / Goyang, SKOR - 120 Zuschauer - SR. Joo Hyun, Min Hwan (Suk Bae, Jun Soo)

Tore: 2. (1:05) Poulin (Fortino, Agosta) 0:1. 25. Turnbull (Mikkelson, Wakefield) 0:2. 27. Turnbull (Spooner) 0:3. 34. Lacquette (Agosta, Ausschluss L. Benz) 0:4. 26. Spooner (Lacquette, Wakefield) 0:5. 40. (39:17) Spooner (Rougeau) 0:6. 53. Fast (Poulin) 0:7. 55. Saulnier; Ausschluss Stacey!) 0:8. 57. Fast (Fortino, Daoust) 0:9. 60. (59:59) Lacquette (Clark) 0:10.

Strafen: 4 x 2 Minuten gegen die Schweiz, 3 x 2 Minuten gegen Dänemark.

Schweiz: Schelling; Altmann, Bullo, Gass, Meier, L. Benz, Zollinger; Sigrist, Wetli; Raselli, Rüedi, Staenz, Stalder, A. Müller, I. Waidacher; N. Waidacher, Rüegg, S. Benz; M. Waidacher, Allemann, Forster.

Bemerkungen: Schweiz ohne Alder (Ersatz) und Brändli (überzählig). Die Schweiz gewinnt das abschliessende Penaltyschiessen (5 Versuche) mit 4:2. Schussverhältnis 20:52 gegen die Schweiz.